Ostseezeitung vom 06.08.2009
 
Die erste Haikutter-Regatta der Sail von Nysted nach Warnemünde war nach drei Seemeilen beendet. Der Wind fehlte.

Warnemünde„Der Weg war ganz gut, der Start versaut“, sagt Schiffsführer Steffen von Arnstedt. Der Hamburger war mit vier Besatzungsmitgliedern und elf Gästen unterwegs von Nysted in Dänemark nach Warnemünde. Mit dem Haikutter „Victor Jara“ schipperten sie neun Stunden übers Meer. Schlecht wurde dabei niemandem, denn: „Dazu reichte der Wind einfach nicht.“

Als Ouvertüre der 19. Hanse Sail liefen bereits gestern elf Haikutter ein. Die erste Regatta lief jedoch nicht wie geplant: Bis etwa 18 Uhr sollten die 32 Seemeilen nach Warnemünde zurückgelegt sein. „Doch halb zwei hatten wir erst etwa drei Meilen geschafft“, sagt Regattaleiter Finn Hermansen. Und so beschloss er, dem windlosen Dahintreiben ein Ende zu setzten und die Ziellinie verschieben. Damit war die Haikutter-Regatta nach drei Seemeilen gelaufen. Und die „Bodil“ wurde kurzerhand zum Sieger ernannt, die sich damit den Wanderpokal sicherte. Dieser wird heute um 18 Uhr auf der Hanse Sail-Bühne übergeben, wo auch alle 85 Teilnehmer geehrt werden.

„Erst sind wir bis zum Start rumgedümpelt, dann ging es los, und wir dümpelten weiter bis zum Ziel“, fast von Arnstedt die Fahrt zusammen. Erst eine Stunde vor Warnemünde sei der Wind wieder aufgekommen. „So segelten wir mit Maschine und Segel“, erzählt der 41-Jährige. Eine schöne, aber ereignislose Zeit sei es gewesen. „Die größte Herausforderung des Tages war, keinen Sonnenbrand zu bekommen.“ Die Route von Nysted nach Warnemünde ist kein Zufall, weiß der Regattaleiter. „Partnerland des diesjährigen maritimen Events ist Dänemark.“ Zudem wurden die schnellen Haikutter im 19. und 20. Jahrhundert in Dänemark gebaut. Und da die 1000 Einwohner zählende Stadt Nysted in diesem Jahr 600 Jahre alt wird, habe man sich schnell auf diese Route geeinigt.

Familie Düwel aus Rostock hat die Regatta trotzdem „super gefallen“. Sie waren zu Gast auf der „Victor Jara“. Während Tochter Nadine und Freund Jonas fleißig halfen, die Segel zu setzen, ließ sich Mutter Christiane die Sonne auf die Nase scheinen. „Die Crew war nett und die Verpflegung klasse“, sagen die Frauen. So hätte es eine Vollverpflegung von Erbseneintopf bis zu einem Glas Sherry gegeben. Die Düwels sind sich einig: „Das machen wir wieder.“ Insgesamt werden in den kommenden Tagen mehr als 230 Schiffe aus zwölf Ländern und rund eine Million Besucher erwartet. Eine Bummelmeile von mehr als drei Kilometern lädt zum Schlemmen, Karussellfahren und Schiffegucken ein.

ANNE KUBIK
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BODIL und das Feuerlöschboot nach der geglückten Rettungsaktion in Nysted 2009
BODIL und das Feuerlöschboot nach der geglückten Rettungsaktion in Nysted 2009

 

Zollern - Alb

Kurier

 

Leinen los zu neuen Ufern

Ferien auf dem Meer

Albstadt, 08.09.2003

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Neue Erfahrungen sammelten die Ebinger Pfadfinder bei ihrer Sommerfahrt. Eine Woche verbrachten sie an Bord eines Segelschiffes auf der Ostsee und erlebten dabei alles, was zum Leben auf dem Meer gehört.

In diesem Jahr hatten sich die Pfadfinder vom Verband Christlicher Pfadfinder (VCP) Albstadt etwas ganz besonderes vorgenommen. Sie machten sich buchstäblich zu neuen Ufern auf, denn zum ersten Mal sollte die Auslandsfahrt des Stammes aus einem Segeltörn auf der Ostsee bestehen.

Die erste Woche ihrer Reise verbrachten die Ebinger jedoch noch nicht am Meer, sondern auf dem Bundeszeltplatz des VCP in Großzerlang. Dieses Pfadfinderzentrum liegt inmitten der mecklenburgischen Seenplatte und bietet neben der Begegnung mit anderen Gruppen auch viele Möglichkeiten die Umgebung zu erkunden. Auf einer mehrtägigen Wanderung konnten die Pfadfinder dann die Schönheit der nahezu unberührten Landschaft bei bestem Sommerwetter erleben.

Als es dann losging in Richtung Ostseeküste, waren alle sehr gespannt, denn die Gruppe hatte sich in den vergangenen Wochen intensiv mit dem Leben an und mit dem Meer auseinandergesetzt. Sie hatten sich Beispielsweise mit Natur und Kultur der Küstengebiete vertraut gemacht, hatten Knoten- und Seemannslieder geübt, und sogar Buddelschiffe gebaut.

Nach einer Übernachtung am Strand bei Rerik kamen die Albstädter schließlich in Rostock an, wo sie an Bord des Gaffelkutters "Bodil" gingen. Die "Bodil" ist ein historisches Segelschiff, das etwa zehn Gästen und drei Crew-Mitgliedern Platz bietet. So waren mit den "Landratten" aus dem Schwabenland gerade alle Kojen belegt, doch Gäste allein sollten die Albstädter nicht bleiben. An Bord wurde jede Hand gebraucht, wenn es galt die Segel zu setzen oder für eine Schicht das Steuer zu übernehmen.

Nach der Einweisung durch Kapitän Uwe Adolph und seine Mannschaft gaben die Pfadis als Matrosen gar kein schlechtes Bild ab. Als sich die Segel zum ersten Mal im Wind blähten und die "Bodil" Kurs auf die dänischen Inseln nahm, kannte die Begeisterung an Bord keine Grenzen. So genossen die Pfadfinderinnen und Pfadfinder die Tage an Bord dann auch in vollen Zügen. Dabei durften sie alles erleben, was zu einem Segeltörn gehört. Sie kreuzten bei bestem Wetter durch die Wasserstraßen der südlichen Ostsee, warfen vor schönen Inseln den Anker und fuhren kleinere Häfen an.

Neben einer Flaute, die genug Zeit zum ausgiebigen Baden ließ, hatte die Gruppe auch eine spannende Fahrt durch stürmische Winde zu überstehen. Das Segeln stellt eine durchaus übliche Spielform im Fahrtenkonzept der Pfadfinderarbeit dar. "Die Erfahrung auf einem Schiff zusammenzuleben und mitzuhelfen ist für jeden eine Herausforderung und auch eine große Bereicherung", meint Arne Leibfritz, Mitglied des Organisationsteams. Außerdem biete das Segeln eine einzigartige Möglichkeit Meer und Küste kennen zu lernen. Dass die Erlebnisse auf hoher See jeden in der Gruppe tief beeindruckt hatten, zeigte der schwere Abschied von der "Bodil" am Ende der Reise. Deshalb wollen die Ebinger Pfadis auch bald wieder einmal in See stechen.